Notfallplan: Freisetzung von Gefahrstoffen (chemisch, radioaktiv, biologisch)

Definition

Eine Freisetzung von Gefahrstoffen kann durch Unfälle in Industrieanlagen, Transportunfälle oder gezielte Anschläge erfolgen. Die freigesetzten chemischen, radioaktiven oder biologischen Stoffe können Mensch, Tier und Umwelt akut gefährden.

Gefahrenanalyse

Mögliche Risiken bei Gefahrstoff-Freisetzung:

  • Akute gesundheitliche Schäden durch Einatmen, Hautkontakt oder Aufnahme der Stoffe
  • Langfristige Gesundheitsrisiken (z.B. Krebsrisiko, Infektionen)
  • Kontamination von Wasser, Lebensmitteln und Boden
  • Einschränkung der öffentlichen Versorgung und Infrastruktur
  • Panikreaktionen und Sicherheitsrisiken

Sofortmaßnahmen-Katalog

  1. Sofort Gebäude aufsuchen und Fenster, Türen sowie Lüftungsanlagen schließen (Schutz vor kontaminierter Luft)
  2. Offizielle Anweisungen über Rundfunk, Internet oder Warn-Apps genau verfolgen
  3. Direkten Kontakt mit kontaminierten Bereichen oder Personen vermeiden
  4. Schutzmasken und Schutzkleidung verwenden, falls verfügbar
  5. Bei radioaktiver Freisetzung ggf. Jodtabletten nach behördlicher Empfehlung einnehmen

Erweiterte Maßnahmen

  1. Vorräte an Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten für mehrere Tage bereithalten
  2. Bereitstellung von Schutzkleidung, Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln
  3. Planung einer Evakuierung nach behördlichen Anweisungen vorbereiten
  4. Regelmäßige Aktualisierung der Lageinformationen und weiterer Anweisungen abwarten
  5. Schutz vor Sekundärkontamination (keine Nutzung von kontaminiertem Wasser oder Lebensmitteln)

Checkliste zur Einschätzung der Flucht-Dringlichkeit

Mindestens 2 der folgenden Punkte müssen erfüllt sein, um eine Flucht zu erwägen:

  1. Offizielle Evakuierungsanordnung durch Behörden
  2. Gefahrstoff-Freisetzung in unmittelbarer Nähe (weniger als 5 km Entfernung)
  3. Sichtbare oder wahrnehmbare Anzeichen von Kontamination
  4. Gesundheitsprobleme in der Bevölkerung treten gehäuft auf
  5. Infrastruktur und Rettungskräfte überfordert oder nicht erreichbar

Einschätzung zur Flucht

Die Bewertung richtet sich nach der Lageeinschätzung anhand der Checkliste:

Stufe Beschreibung Maßnahme
0 Geringfügige oder begrenzte Gefahrstoff-Freisetzung, lokal beherrschbar. Zuhause verbleiben, Schutzmaßnahmen ergreifen.
1 Deutliche lokale Bedrohung, behördliche Evakuierungsmaßnahmen wahrscheinlich. Flucht in sichere, ländliche Regionen (z.B. Wendland/Gorleben)
2 Großflächige Kontamination mit erheblichen Gesundheitsrisiken und langfristigen Folgen. Flucht in anderes EU-Land
3 Nationale Notlage durch massive Gefahrstoff-Freisetzung, umfassende Gesundheitsrisiken und Zusammenbruch öffentlicher Ordnung. Flucht außerhalb der EU