Schizophrenie
ICD-10-Klassifikation
F20.- (Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen)
Pathologisch
Definition
Schizophrenie ist eine psychische Störung, bei der Denken, Wahrnehmung, Emotionen und Verhalten erheblich beeinträchtigt sein können. Sie zeigt sich oft durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen (meist in Form von Stimmenhören), aber auch durch Störungen in der Struktur des Denkens und des Antriebs. Schizophrenie ist kein seltenes Phänomen und kann jeden treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialem Hintergrund.
Symptome
Positivsymptome: Wahnideen (z.B. Verfolgungswahn), Halluzinationen (meist Stimmen), desorganisierte Sprache und desorganisiertes Verhalten
Negativsymptome: Antriebs- und Gefühlsarmut, sozialer Rückzug, Verlust von Interessen, flacher Affekt
Kognitive Symptome: Konzentrationsschwierigkeiten, verzerrte Wahrnehmung der Realität, verminderte Denk- und Planungsfähigkeit
Emotionale Symptome: Oft Unfähigkeit, Freude zu empfinden, rasche Stimmungsschwankungen, Unsicherheit
Akute Möglichkeiten der Hilfe / Erste Hilfe
Professionelle Hilfe: Psychiatrische Notaufnahme, ärztliche Abklärung, Krisentelefon oder Rettungsdienst bei akuten psychotischen Symptomen
Ruhige Umgebung schaffen: Stressfaktoren minimieren, für Sicherheit und Entlastung sorgen
Unterstützung durch Angehörige: Zuhören, Verständnis zeigen, die betroffene Person nicht mit Vorwürfen konfrontieren
Medizinische Abklärung: Ggf. sofortige medikamentöse Unterstützung (Antipsychotika) unter ärztlicher Leitung
Langfristige Therapiemöglichkeiten
Psychopharmakotherapie: Langzeitbehandlung mit Antipsychotika zur Stabilisierung; ggf. Kombination mit weiteren Medikamenten wie Antidepressiva
Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie zur Bewältigung von Wahn- und Angstgedanken, Psychoedukation, familientherapeutische Angebote
Soziotherapie und Rehabilitation: Strukturierte Angebote zur Wiedereingliederung in den Alltag (z.B. betreutes Wohnen, Ergotherapie, berufliche Rehabilitation)
Selbsthilfe und Angehörigenarbeit: Selbsthilfegruppen, Austausch mit anderen Betroffenen und deren Familien, psychologische Beratung
Prävalenz
Weltweit sind etwa 1 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens von Schizophrenie betroffen. Der Erkrankungsbeginn liegt häufig im jungen Erwachsenenalter (ca. 18–30 Jahre), kann jedoch variieren.
Mögliche Ursachen und Risikofaktoren
Biologische Faktoren: Genetische Veranlagung, Veränderungen im Hirnstoffwechsel (z.B. Dopaminhaushalt)
Psychosoziale Faktoren: Chronischer Stress, traumatische Erlebnisse, familiäre Konflikte
Umweltfaktoren: Komplikationen während Schwangerschaft/Geburt, Drogenkonsum (insbesondere Cannabis) können das Erkrankungsrisiko erhöhen
Differentialdiagnosen
Schizoaffektive Störung (F25)
Wahnhafte Störung (F22)
Bipolare Störung mit psychotischen Symptomen (F31)
Organisch bedingte psychotische Störung (z.B. durch Hirnläsionen, Stoffwechselstörungen)
Komorbiditäten
Suchtproblematiken (Alkohol, Drogen, Nikotin)
Angststörungen und Depressionen
Persönlichkeitsstörungen
Fazit
Schizophrenie ist eine ernstzunehmende, aber behandelbare Störung, bei der eine möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Mit einer Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und einem unterstützenden sozialen Umfeld können viele Menschen ein stabiles und erfülltes Leben führen. Verständnis und Offenheit im Umfeld helfen Betroffenen, den Weg zur Genesung zu gehen.