Depression
ICD-10-Klassifikation
F32 (Depressive Episode) und F33 (Rezidivierende depressive Störung)
Pathologisch
Definition
Depression ist eine psychische Störung, die vor allem durch eine anhaltend gedrückte Stimmung, Interessensverlust, Antriebslosigkeit und weitere körperliche sowie psychische Symptome gekennzeichnet ist. Sie kann einmalig (depressive Episode) oder wiederholt (rezidivierende Depression) auftreten. Die Intensität der Symptome kann variieren und reicht von leicht bis schwer.
Symptome
Emotionale Symptome: Anhaltende Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Gefühllosigkeit oder Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit
Kognitive Symptome: Konzentrations- und Entscheidungsprobleme, Grübeln, Schuldgefühle, negative Selbstwahrnehmung
Körperliche Symptome: Schlafstörungen, Appetitveränderungen (Gewichtsab- oder -zunahme), verminderte Energie, leichte Ermüdbarkeit, Kopf- und Rückenschmerzen
Verhaltenssymptome: Rückzug von Freunden und Familie, Vernachlässigung von Alltagspflichten, eventuell Selbstverletzungs- oder Suizidgedanken
Akute Möglichkeiten der Hilfe / Erste Hilfe
Professionelle Hilfe: In akuten Krisensituationen ärztliche bzw. psychiatrische Notfallaufnahme, Krisentelefon oder Rettungsdienst
Gespräche mit vertrauten Personen: Familie, Freunde oder auch telefonische Beratungsangebote (z.B. Telefonseelsorge)
Unterstützung suchen: Vertrauensvoller Austausch mit einer Fachkraft (Psychiater*in, Psychotherapeut*in)
Selbstschutz bei Suizidgedanken: Sichere Umgebung herstellen, gefährdende Gegenstände entfernen, Notfallkontakte parat haben
Weitere Skills bei Depressionen
Sport treiben
Nicht allein sein (Eltern, Partner, Freunde anrufen)
Meditation
Musik hören
Lieblingsfilm schauen
Nachrichten an einen Freund oder ein Familienmitglied schreiben
Zeichnen/Malen (Malbuch, Mandalas)
Lesen
Langfristige Therapiemöglichkeiten
Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Interpersonelle Therapie
Medikamentöse Behandlung: Antidepressiva (bei mittelschweren bis schweren Episoden), ggf. Kombination mit anderen Medikamenten
Ergänzende Verfahren: Achtsamkeitsbasierte Ansätze, Entspannungsverfahren (z.B. Progressive Muskelentspannung), Lichttherapie, Sport und Bewegung
Sozial- und Alltagsunterstützung: Selbsthilfegruppen, Psychoedukation für Betroffene und Angehörige, Rehabilitationsmaßnahmen
Prävalenz
Depressionen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Nach Schätzungen entwickeln ca. 15–20 % der Menschen mindestens einmal im Leben eine depressive Episode.
Mögliche Ursachen und Risikofaktoren
Biologische Faktoren: Ungleichgewicht von Neurotransmittern, genetische Disposition
Psychosoziale Faktoren: Stress, Verlust- und Trennungserlebnisse, Mobbing, Überforderung
Persönlichkeitsfaktoren: Negatives Selbstbild, geringe Stressresistenz, Perfektionismus
Weitere Einflüsse: Chronische Erkrankungen, hormonelle Veränderungen (z.B. nach Geburt), Suchtmittelkonsum
Differentialdiagnosen
Dysthymie (anhaltende depressive Verstimmung, F34.1)
Anpassungsstörungen (F43.2)
Bipolare Störung (F31) bei Phasen von Manie oder Hypomanie
Organisch bedingte Depression (z.B. durch Schilddrüsenfehlfunktion)
Komorbiditäten
Angststörungen (z.B. Panikstörung, generalisierte Angststörung)
Suchterkrankungen (Alkohol, Drogen)
Persönlichkeitsstörungen
Essstörungen
Fazit
Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die häufig unterschätzt wird. Betroffene sollten sich nicht scheuen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dank moderner Behandlungsformen besteht eine gute Chance, die Depression zu überwinden oder zumindest stark zu lindern. Ein stabilisierendes Umfeld sowie Eigeninitiative (z.B. Alltag strukturieren, regelmäßige Bewegung) können den Genesungsprozess zusätzlich unterstützen. Verständnis und Offenheit vonseiten der Mitmenschen sind ebenso essenziell für den Heilungsprozess.